WaldSkulpturenWeg Wittgenstein-Sauerland

Die Situation und allgemeine Zielvorstellungen

Der den Rothaarsteig kreuzende WaldSkulpturenWeg Wittgenstein-Sauerland soll einen eigenständigen Akzent setzen, der sowohl traditionelle Bindung als auch zeitbezogene Ausdrucksfähigkeit des heutigen Menschen dokumentiert, und diese Charakterzüge in einer unaufdringlichen aber eindeutigen Form in die Natürlichkeit des Wanderwegs integriert. Hierdurch ist auf der einen Seite eine attraktive Ergänzung und Ausweitung des Rothaarsteigs gegeben und auf der anderen Seite entsteht die individuelle Ausprägung eines Wanderwegs, dessen Bedeutung weit über die des Normalen hinausreicht.

Der die beiden geschichtlich wie städtebaulich so unterschiedlichen Orte Bad Berleburg mit dem bedeutenden Schloss und Schmallenberg mit dem historisch ebenso wichtigen Kloster Grafschaft verbindende Wanderweg erhält durch die Akzentuierung mit künstlerischen Merkzeichen, Installationen und Skulpturen und durch die damit verbundenen Aktivitäten und Aktionen den Charakter eines Kulturwanderweges zwischen verschiedenen Welten. Aufgabe ist es, durch eine sensible und vorsichtige Integration der künstlerischen Arbeiten eine Atmosphäre zu schaffen, die der des alten Wanderweges durchaus gerecht wird. So sind drei Prämissen zu beachten, die den Skulpturenwanderweg prägen sollen:

  • Das Geheimnisvolle und die Eigenart der Natur muss nicht nur gewahrt bleiben, sondern soll auch betont werden.
  • Die Geschichte der Kulturlandschaft und der Menschen muss sich widerspiegeln.
  • Der suchende Wanderer soll Muße, Rastplatz und Gedankenvielfalt finden.

Welche Möglichkeiten hat die heutige Kunst, diesen Forderungen nachzukommen? Kann auch die Kunst selbst durch die Anlage eines solchen Wanderweges neue Akzente erhalten? Oft erscheint die heutige Kunst dem interessierten Laien abgehoben und nur einer kleinen Elite zugänglich. Die Angst, dass dies sich auch auf dem hier zu konzipierenden Wanderweg zeigen kann, ist bestimmt bei manchem vorhanden. Zunächst muss gesagt werden, dass seriöse und qualitätsvolle Kunst immer und zu jeder Zeit auch von dem Betrachter verlangt, sich in sie einzudenken und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Die Vielfältigkeit der Ansätze der heutigen Kunst - der Pluralität unserer Welt angeglichen - macht es aber häufig schwer, einen eigenen Zugang zu erlangen. Deshalb muss auch hier über didaktische Vermittlungsmöglichkeiten der Kunstwerke an den Wanderer nachgedacht werden. Aber über diese Notwendigkeit hinaus, die noch zu betrachten ist, besitzt die zeitgenössische Kunst genügend Ausdruckskraft, um aus sich heraus zu wirken und sich mitzuteilen.

  • Die Vielschichtigkeit heutiger Kunstströmungen bildet eine hervorragende Voraussetzung für die Konzeption des Skulpturenwanderwegs: Ökologische Kunst bis zur "land art", soziologisch-integrative Ansätze bis zur Handlungsskulptur, Licht- und akustische Kunstwerke bilden ein abwechslungsreiches wie sinnlich orientiertes Spektrum von Möglichkeiten, die weiter oben formulierten Prämissen anschaulich und erlebnisintensiv zu erfüllen.
  • Die Erscheinung der heutigen Natur in Mitteleuropa ist nie urweltlichen Ursprungs, sondern immer durch den Menschen geformte Natur, mithin als Teil der menschlichen Kultur zu definieren. Die vom Menschen erschaffene Kunst wiederum bildet den freien, ungebundenen Zugang des menschlichen Geistes zu seiner Umwelt über die Formkraft seiner unterschiedlichen sinnlichen Kanäle. Beide Seiten des menschlichen Kulturausdrucks zu verbinden und in Einklang zu bringen, heißt, einen integrativen Ansatz zur Veranschaulichung menschlicher Kulturfähigkeit anzustreben.

  • Die Kunst auf diese Weise in die Natur zu stellen, löst sie von allem Aufgesetztem und "Gekünsteltem" und gibt ihr einen Darstellungsraum, der sie zu ihren Ursprüngen zurückführt. So werden die Kunstwerke nicht zu einer zwanghaften Vergewaltigung der Natur führen, sondern im Gegenteil zu einer intensiven Zwiesprache.

  • Für den Wanderer oder Spaziergänger bringt die Begegnung mit den so integrierten Werken der Kunst ein ganz eigenes Moment der assoziativen und freien Auseinandersetzung: Kunst als eingebundener Teil der Natur, als Teil eines ganzheitlichen Erlebnisses, das zu durchaus neuen Wahrnehmungs- und Verständnisebenen führen kann. Die Ausweitung des Erlebnisses der Wanderer über die Naturbeobachtung und die Begegnung mit der bäuerlichen und handwerklichen Kulturen hinaus auf eine gedanklich und sinnlich orientierte, zeitbezogene Ausdrucksform vermittelt ihm eine andere, aber in einander vernetzte Weltsicht.

Dr. Uwe Rüth, Marl (Kurator)

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