Jochen Gerz

Jochen Gerz bezieht seit 1968 die Öffentlichkeit in sein künstlerisches Werk ein. Nach den medienkritischen fotografischen Werkzyklen und Installationen, die in zahlreichen europäischen und amerikanischen Museen gezeigt wurden, hinterfragen die Autorenprojekte im öffentlichen Raum seit den achtziger Jahren den Betrachter in seiner traditionell passiven Rolle.Vor allem seine "antimonuments" zum Thema von Erinnerung und Verdrängung der Shoah haben international grosse Beachtung gefunden.

Konzept für das Projekt von Jochen Gerz
"Der Wettbewerb", 2002 - 2004

Jeder Brief ist ein Brief an sich selbst, er ist an den anderen Ort adressiert. So als wohnte der Schreiber nicht da, wo er tatsächlich wohnt und von wo aus er schreibt, sondern da wohin er schreibt; der Bad Berleburger in Schmallenberg und der Schmallenberger in Bad Berleburg.

Es ist ein persönlicher, vielleicht auch intimer Brief, in dem der Schreiber sich Rechenschaft gibt, weshalb er "hier" und nicht woanders lebt und was das bedeutet für ihn, "hiersein". Er schreibt über alles, was ihm in den Sinn kommt über sein Leben, was ihm daran gefällt und was er ändern will. Er schreibt über die eigene Familie, die Eltern, über die Einsamkeit oder das Glück, "hier" zu sein. Er schreibt den Brief an sich selbst und sein Brief soll nicht Halt machen vor der Angst, von einem Fremden oder von vertrauten oder geliebten Menschen gelesen zu werden.